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Bert Gerresheim wird heute 83 Jahre alt

Der renommierte Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim wird heute 83 Jahre alt. Zu seinem Ehrentag erhält er den Jan-Wellem-Ring der Düsseldorfer Jonges. Aus diesem Anlass gebe ich drei Auszüge aus unserem gemeinsamen Interview wieder, das in meinem Buch abgedruckt ist. Darin spricht er über die plastische Schönheit, die Besonderheit des Buches und die Schieflage Heinrich Heines, die er im Heine-Buch-Denkmal an der Heinrich-Heine-Universität realisiert hat.

Bert Gerresheim im Interview:

 

Schönheit als Ausdruck

"Was ist Schönheit? Rodin sagte: Was den Ausdruck trifft, ist schön. Schönheit ist Ausdruck, also wenn das Innere und Äußere zusammenfällt, dann ist das schön. Das ist nicht unklug. Dann ist das Häßliche auch erträglich oder es muß sein. Es ist dann eine Identität, wenn die äußere Form alles gibt, was sie meint, oder wo das als Herz innen schlägt. Dann ist es ja fast Harmonie von außen und innen, aber es kann ja ein häßlicher Gegenstand oder eine häßliche Figur sein. Die Schönheit ist nicht im Modell, nicht pro forma, sondern das ist eine Spiritualität, wo der äußere Körper und das Innere, die Seelenlandschaft, zusammen sind."

 

Bücher als geistige Bekleidung

"Das Buch hat noch einen Körper und man trägt es am Leib und es wäre denkbar, es zu einem Teil von sich, zu einem Teil der geistigen Kleidung zu machen. Ich finde das immer wieder schön in fremden Städten, wie ich es neulich in Krakau gesehen habe, daß junge Menschen Kladden unterm Arm haben, also ihr Schreibzeug, daß es noch eine Welt gibt, die nicht nur im Gequatsche oder in der Selbstschönung liegt, sondern man hat für den Kopf etwas in der Hand und gibt zu erkennen, dass man denken möchte oder denken kann."

 

Heines Schieflage

"Das kann doch nur ein Buch sein und weil sich das öffnen läßt, kam die Idee, der Heine muß durchschreitbar sein. Man muß durch den Heine durch, was einfach damit zusammenhängt, dass Heine ein Plural ist. Und dann konnte ich diese beiden Porträtauffassungen unterbringen. Bei mir liegt der Ton meist auf dem älteren oder sagen wir: verletzteren Heine. Deshalb lag mir das nah, auch dort die Narrenschelle hinzulegen und die Verletzung des Werkes durch die Zensur zu zeigen. Und dann kriegte das auch so eine schöne Schieflage: Für jedermann liegt er irgendwo schief und das ist ja auch die eigentliche Heinesche Qualität."