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Loreley im Sonnenuntergang

Mit „Heine am Dienstag“ durch die Altstadt

Am 16. Oktober 2018 startete um 18 Uhr die erste öffentliche Führung „Heine am Dienstag“. Begleitet von herrlichstem Spätsommerwetter begab ich mich mit einer Gruppe von zehn TeilnehmerInnen auf die Spuren Heinrich Heines.

Die erste Dienstagsführung begann am „Heine Haus“, dem Geburtsort von Harry Heine, der in eine jüdische Familie hineingeboren wurde und sich erst bei seiner Taufe 1825 in Johann Christian Heinrich Heine umbenannte. Er wuchs mitten in der Düsseldorfer Altstadt auf. In der einstündigen Führung besuchten wir Harrys schönste „Kinderspielplätze“.

 

Mit seiner fröhlichen Schwester Charlotte pflanzte er Blumen im elterlichen Garten, stöberte auf dem staubigen Dachboden im Haus seines Onkels, betrachtete mit kindlichem Staunen die großen Bücherregale im Lesesaal der Kurfürstlichen Landesbibliothek und erklomm mit den Nachbarskindern das Jan-Wellem-Denkmal auf dem Marktplatz.

 

Die letzte Station der Führung widmete sich dem Ernst des Lebens. In der Schule lernte Harry Stillsitzen, Prügel und Latein und erlebte als junger Mann den Niedergang des väterlichen Geschäfts. Die Familie zog nach Lüneburg, während Heine in Bonn studierte. Sein berühmtes und vielfach neu interpretiertes Loreley-Gedicht entstand bei seinem Familienbesuch in Lüneburg: ein wehmütiger Rückblick auf die verlorene Heimat am Rhein.

 

Gesungen nach der bekannten Vertonung von Friedrich Silcher bildete das Loreley-Gedicht den Abschluss der Führung. Heines stimmungshafte Kulisse des Sonnenuntergangs und der einsetzenden Dämmerung schmiegte sich in den sommerlich warmen Abend des goldenen Oktobers.

Ich weiß nicht was soll es bedeuten,

Daß ich so traurig bin;

Ein Märchen aus uralten Zeiten,

Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

  

Die Luft ist kühl und es dunkelt,

Und ruhig fließt der Rhein;

Der Gipfel des Berges funkelt

Im Abendsonnenschein.